Franzerl, die Politbüros und die Veränderung der Welt

BildWie man in der Zeit.online lesen kann, ist der gegenwärtige Bischof von Rom, also der Mann auf Petri höchst einfachem, vermutlich gar hölzernen Stuhl nicht ganz einverstanden mit den heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen auf dieser Welt. Vielleicht etwa so, wie vor ihm der Aramäer Jeschuah ibn Mariam, der Tscheche Jan Hus, der Deutsche Karl Marx – und noch ein paar andere Menschen – mit einem persönlichen Abstand zur katholischen Kirche. Jesus war bekanntlich auch nicht katholisch. Aber könnte er bei diesem Papst nicht möglicherweise in Versuchung kommen?

Hierauf wurde mir erwidert:

„jesus wäre als fan von popstar franziskus möglicherweise der versuchung erlegen, vereinsmeier in diesem vatikanischen männerladen mit seinem ungeklärten verhältnis zu gesegneten waffen zu werden? also, ich weiß ja nicht “ (Constanze Lehr, Frankfurt, auf facebook)

Ich denke, ein Popstar, der eine – auch noch so eine brisante politische – Wahrheit öffentlich ausspricht, ist zumindest einer von den besseren Popstars. Popstars, die ich (von weitem) kenne, äussern sich überwiegend gar nicht zu gesellschaftlichen Fragen. Und die es doch tun, sind dann wohl ein wenig mehr, als nur Popstars. Oder? Ich denke da beispielsweise an John Lennon.

Das eigentliche Wunder ist doch, dass es in dem „vatikanischen männerladen mit seinem ungeklärten verhältnis zu gesegneten waffen“ immerhin genügend Stimmen gab, die genau diesen Papst wollten – und auch bekommen haben. Gegen traditionelle Mehrheiten – nach dem äusseren Anschein zu urteilen. Das nenne ich ein kleines Wunder.
Antwort an mich:

schön und gut, reinhard. meine ursprüngliche die frage zielt jedoch darauf, was der von reaktionären vatikaniern gewählte im innenverhältnis bewirkt, wunder hat er da noch keine bewirkt. oder?

Von den Cheyenne weiss ich, dass dort ein Häuptling durch Vorbildwirkung führt, ohne Befehlsgewalt zu haben. Franzerl hätte als absoluter Monarch durchaus Befehlsgewalt, versucht jedoch als Vorbild zu wirken und zu führen. („Wer bin ich, dass …“)

Das ist eine neue Qualität, die diesen Verein vermutlich mehr erschüttert, als jede Strafe oder Androhung von Höllenpein. Das SED-Poltibüro (bzw. ein schwerbewaffneter Polizeichef in dessen Diensten) äusserte nach 1989 in Leipzig (sinngemäss): „Mit allem hätten wir gerechnet: Krawalle, Steinwürfe, brennende Häuser und Autos. Darauf hatten wir eine schlagkräftige Antwort parat. Aber sie kamen mit Kerzen und Gebeten. Darauf waren wir nicht vorbereitet.“ das war eine wirkliche Erschütterung eines Systems.

Auf Franzerl war der „fromme“ Weltkonzern im Ganzen auch nicht vorbereitet. Niemand von den „Durchschnittlichen“  hätte geglaubt, dass jemals das von ihnen gepredigte Wort sich gegen sie selbst richten würde.

So, wie die die aufatmenden SED-Mitglieder „plötzlich“ im „Kommunistischen Manifest“ Sätze „fanden“, die eine Diktatur von Politbüros ad absurdum führten – und schon frühzeitig verhindert hätten – sofern das Fussvolk denn immer Lust gehabt hätte, die „heiligen Schriften“ beizeiten gründlich (selbst!) zu lesen.

Man sagt heute gern, das Jahr 1989 habe „dem Kommunismus ein Ende bereitet“. So, wie heute Franzl „dem (katholischen) Christentum ein Ende bereitet“. Beides ist Unsinn – und wir wissen es.

Back to the roots – das ist immer ein kleines Wunder – da immer so schienbar unerwartet.  Man kann es auch „Keime des Neuen“ (nach Lenin) nennen.Oft schon sind Keime erstickt, wenn die Bedingungen nicht passten. Aber unter den gegenwärtigen Bedingungen, wo Kapital nicht mehr so einfach zur Ausbeutung benutzbar ist (negativer Zins – immer öfter), wo der Kapitalismus nicht mehr richtig funktioniert, unter diesen Bedingungen kann eine Idee leicht zur materiellen Gewalt werden – gegenüber Bank-Guthaben und anderen „gesegneten“ Ausbeutungsverhältnissen.

Franzl muss nicht beim Innenverhältnis anfangen, wenn wenn er an den Schlaf der katholischen Welt rühren will. Man kann sich mit inneren Widerständen herumschlagen und die Zeit vertrödeln. Oder man weckt die Schlafenden, die man unbesehen auf seine Seite kriegt. Und das macht Franzerl.

Meinen Segen hat er.


Bildnachweis: Wikipedia

Über Reinhard Heinrich

Wird gern besucht unter: http://rondobildung.blogspot.com
Dieser Beitrag wurde unter Geschichte und Geschichten, Menschen und Götter, Wendepunkte abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s