Umstände sind nicht alternativlos

Die Biostrukturanalyse  (=> „Structogram„) erklärt fast nebenbei,  wie groß

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Frank Richter gestaltet (wie 1989 auf der Prager Strasse) die Umstände des Pegida-Dialogs menschlich

der Anteil „autoritärer Bedürfnisse“ an der Summe   aller menschlichen Bedürfnisse ist.
Das ist praktisch nicht veränderbar – außer durch genetische Eingriffe,  vor denen uns dieser und jener verschone!
Hannah Arendt konnte davon noch nicht viel wissen, als sie über Totalitarismus schrieb. Sie hat zutreffend beschrieben,  was sie erkannte, ohne zu den biologischen Ursachen vorzudringen.
Einen weiteren Ansatz zum Verstehen  (H. ARENDT: „Ich will verstehen“. Piper,  München 1996)  hätte sie vermutlich bei Friedrich Engels gefunden,  der in einem Brief an Feuerbach auf die bestimmende Rolle der  äusseren Umstände aufmerksam macht:

„Alles,  was die Menschen in Bewegung setzt,  muß durch ihren Kopf hindurch; aber welche Gestalt es  in diesem Kopf annimmt,  hängt sehr von den Umständen ab.“

Heutige Richter entscheiden also aus ihren eigenen Umständen heraus und versuchen  (schlimmstenfalls : simulieren ) die Umstände zu berücksichtigen,  unter denen Täter zu ihrem Handeln bewegt wurden.

Gute Absicht  (oder auch Vortäuschung derselben), die verheerende Auswirkungen haben kann.  Nichts Neues unter der Sonne,  nachher gut zu erklären,  vorher schwer zu verhindern. Ausser,  man ändert die Umstände rechtzeitig. Dann werden Menschen nicht so leicht zu Tätern – und Richter können leichter Recht sprechen.

Da bin ich wieder nahe bei Hannah Arendt,  die fassungslos vor der „Banalität des Bösen“ stand – und eine Gesellschaft erträumte,  wo (menschliche)  Autoritäten nahezu bedeutungs- und wirkungslos wären. Kein Richter, kein  Prophet und kein Diktator könnte mehr den Menschen sagen,  ob sie gut oder schlecht handeln. Eine andere Instanz könnte mit leiser Stimme – menschlich – sprechen,  und würde gehört. Da aber die Welt ist,  wie sie ist,  bleibt uns nur,  mit Friedrich Engels die Umstände im Auge zu behalten und sie besser zu gestalten,  wo wir können.

Wer in Pegida oder IS die bösen Menschen sucht,  wird sie finden und ggf. auch bestrafen können, nach menschlichem Ermessen jedenfalls. Solange aber nicht nach den Umständen gefragt wird,  unter denen Pegida und IS (fast gleichzeitig!)  „entstehen“, werden beide Erscheinungen sich so lange  immer wieder reproduzieren,  unter beliebigen Namen,  wie die Umstände so bleiben,  wie sie sind. Einige sind noch ganz zufrieden damit,  ich war es 1989 nicht mehr so ganz  (obwohl „nicht alles schlecht war – in der DDR“).

Die heute wirklich  Unzufriedenen sind Suchende,  die den Glauben an die Intaktheit unserer Gesellschaft verloren haben – und auf Schein-Lösungen hereinfallen.  Ehrenmord, Islamischer Staat und der Kampf gegen beides sowie die „Lügenpresse“ sind zwei Seiten der selben Medaille.

Schein-Lösungen für Schein-Probleme – die  (vorerst noch) den  (schlecht ) Regierenden die Mühe der  Auseinandersetzung mit den realen Problemen ersparen. Insofern war ein Jesus in den Augen der römischen Kolonialmacht  ein hoch gefährlicher Politiker,  weil er den einzelnen Menschen eigene Entscheidungen über ihr Leben abverlangte,  statt sie zur Anpassung zu bewegen.

Über Reinhard Heinrich

Wird gern besucht unter: http://rondobildung.blogspot.com
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